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pro audito schweiz
53 Meter Kabel für eine Versammlung

Über 130 Delegierte aus der ganzen Schweiz tagen heute Samstag, 5. Juni, in Altdorf. Damit die Diskussion überhaupt gehört wird, hat sich der Verein pro audito uri einiges einfallen lassen.

53 Meter Kabel für eine Versammlung Für eine gute Kommunikation: Walter Zgraggen und Max Renggli (links) installieren im «Schlüssel»-Saal eine Höranlage. Foto: Martina Regli


Heute muss jedes Detail stimmen: Über 130 Delegierte von pro audito schweiz tagen im Kanton Uri – die meisten haben ein Hörproblem. Der Verein pro audito uri ist für die Organisation der Veranstaltung seit einem Jahr gefordert. Bereits die Suche nach einem geeigneten Lokal war für die Verantwortlichen schwierig: Das Licht muss genügend hell und der Raum schalldämmend sein. «Vorzugsweise Holzwände oder Vorhänge», erklärt die Präsidentin, Irena Zurfluh-Müller. Betonwände oder viel Glas in einem Raum erschweren akustisch eine Durchführung der Delegiertenversammlung. «Eine gute Kommunikation ist bei so einer Versammlung das wichtigste», betont Irena Zurfluh-Müller, die selbst hörgeschädigt ist. Mit dem «Schlüssel»-Saal in Altdorf hat das OK um Präsident Georg Simmen einen geeigneten Raum gefunden.

Leinwände und Dolmetscher

Doch ein guter Saal reicht bei Weitem nicht aus: Damit die Gäste überhaupt etwas verstehen, muss eine Höranlage installiert und eine Induktionsschlaufe im ganzen Raum verlegt werden – mindestens 53 Meter Kabel müssen im «Schlüssel»-Saal Platz finden. Diese Höranlage funktioniert wie ein Funksender, der die Signale aus einem Mikrofon direkt an die Hörgeräte der Betroffenen sendet. Dadurch hören sie ohne Nebengeräusche, was während der Versammlung besprochen wird. «Zweimal mussten wir im Voraus testen, ob es im ‹Schlüssel›-Saal überhaupt möglich ist, diese Leitungen zu verlegen», so Irena Zurfluh-Müller. Für das Verständnis reicht die Höranlage aber immer noch nicht aus: Auf zwei Leinwänden werden Präsentationen und Informationen gezeigt. Zusätzlich wird die Kommunikation von einer Schreibdolmetscherin und einem Gebärdendolmetscher unterstützt.

Volle Konzentration gefordert

Während der Delegiertenversammlung von pro audito schweiz ist grösste Konzentration gefordert. «Das ist manchmal sehr anstrengend», betont Irena Zurfluh-Müller. Nicht nur mit Zuhören, Ablesen und genauem Beobachten sind die Teilnehmenden dauernd beschäftigt. Damit die Person gegenüber oder am Mikrofon verstanden wird, muss das Hörgerät immer wieder auf Normalprogramm oder Telefonspule eingestellt werden. Gerade das erschwert die Verständigung der Hörbehinderten.

Zentralquästor tritt kurzfristig zurück

Insbesondere aufhorchen dürften die Delegierten beim Traktandum Wahlen: Zentralquästor Thomas Schmidhauser, Mitglied des leitenden Ausschusses, hat nämlich kurzfristig seinen Rücktritt bekannt gegeben. Interimistisch muss an der Delegiertenversammlung ein Ersatz gefunden werden. «Der Rücktritt wird bestimmt zu reden geben», ist sich Irena Zurfluh-Müller sicher. Im Weiteren könnte das Traktandum zur Hörgeräteversorgung zu Diskussionen führen, glaubt die Präsidentin. Ob es nun viel zu diskutieren gibt, oder nicht: Der Urner Verein pro audito ist für den Grossanlass gerüstet und hofft auf einen fairen, reibungslosen Ablauf.

Martina Regli