Schluss mit Rechtschreibvehlern

Welchen Stellenwert hat die Rechtschreibung heute in der Volksschule? Einen hohen, findet die Schule Erstfeld und startet im neuen Schuljahr, das am kommenden Montag, 21. August, beginnt, mit einem neuen Rechtschreibkonzept. Das Programm fängt im Kindergarten an und dauert bis in die ...
18.08.2006
ufe. Mehr Spass an der Rechtschreibung und somit weniger Fehler sind das Ziel.

Der Rechtschreibunterricht läuft heute vielerorts noch wenig koordiniert ab. Lehrpersonen sind in der Auswahl ihres Rechtschreib-Lehrmittels frei, was dazu führt, dass es für Schülerinnen und Schüler schwierig wird, einen Aufbau zu erkennen. Beim Übertritt in eine neue Schulstufe wissen die künftigen Lehrpersonen zudem wenig über den Lernstand der Kinder und die individuellen Rechtschreibschwächen.
In den vergangenen Jahren war immer wieder zu vernehmen, dass es um die Rechtschreibung der heutigen Schülerinnen und Schüler nicht ums Beste bestellt sei. Die Pisa-Studien haben dies unterstrichen und der Schweizer Schülerschaft Mühe beim Lesen, Schreiben und in der Rechtschreibung attestiert. Um diesem Missstand entgegenzuwirken, habe man in Erstfeld beschlossen, sich ab dem kommenden Schuljahr vermehrt dem Thema Rechtschreibung anzunehmen, begründet Schulleiterin Agnes Dittli den neuen Weg. Und sie fügt an: «Wichtig ist, dass die Initiative von den eigenen Lehrpersonen kommt.» Dementsprechend sei auch die Motivation bei den Beteiligten sehr gross.

Erfolgreich getestet

Entstanden ist die Idee, in Erstfeld ein stufenübergreifendes Rechtschreibprogramm einzuführen, während einer Lehrerfortbildung. Dieser Input bekräftigte die Lehrpersonen, die Rechtschreibung künftig stufenübergreifend zu unterrichten. Eine Arbeitsgruppe mit den Primar- und Oberstufenlehrpersonen Agnes Dittli, Regina Lischer, Daniela Gisler und Dimitri Moretti informierten sich über existierende Rechtschreibprogramme. Sie organisierten darauf eine Plenumsveranstaltung, an der die Lehrpersonen entschieden, mit welchem Konzept man künftig arbeiten möchte. Der Entscheid fiel auf ein bereits erfolgreich angewandtes, offizielles Lehrmittel von Katharina Leemann.

Logischer Aufbau

Die Methode klingt einleuchtend. Wurden in früheren Jahren noch Regeln und Ausnahmefälle gepaukt, baut die Methode auf Regelmässigkeiten auf. Zuerst werden lautreine Wörter gelernt, das heisst solche, die man so schreibt, wie man sie ausspricht. Gemäss Autorin sei dies in rund der Hälfte aller Wörter der Fall. Später werden daraus Regeln abgeleitet und Ausnahmen behandelt.
Begonnen wird bereits im Kindergarten, wo die Kinder mit Hörübungen und Spielen auf die Sprache sensibilisiert werden. In der Unterstufe werden die Buchstaben gelernt, mit Wörtern aus dem Lebenskontext der Kinder gearbeitet und eine alphabetische Strategie aufgebaut. Die Mittelstufe widmet sich den Grundbausteinen, dem Grundwortschatz, der Selbstverantwortung, dem Regelwissen, orthografischen Strategien und der Rechtschreibhaltung. In der Oberstufe bilden der Ausbau des orthografischen Wissens, die Syntax und Fremdwörter die Schwerpunkte. «Für die Schülerinnen und Schüler ist wichtig, dass sie während ihres Rechtschreibunterrichts einen logischen Aufbau erkennen», betont Agnes Dittli.

Mehr schreiben

Das Programm hat zur Folge, dass die Schülerinnen und Schüler der einzelnen Stufen den selben Wissensstand und Aufbau im Rechtschreiben haben. Dies erleichtert auch den neuen Lehrpersonen nach einem Übertritt den Rechtschreibunterricht. Die bisherigen Lehrerinnen und Lehrer geben den nachfolgenden Fehlerprotokolle ab, und die Schüler nehmen Lernkarteien, Regelhefte und das Lehrmittel mit in die nächste Klasse.
Pro Woche wird eine Deutschlektion für die Rechtschreibung aufgewendet. Zudem wird viel gelesen: täglich mindestens 15 Minuten, und wöchentlich wird ein Text geschrieben. «Damit erhält das Schreiben wieder mehr Gewicht, und die Rechtschreibung wird nachhaltig positiv beeinflusst.»
Agnes Dittli ist überzeugt, dass das neue Konzept sowohl den Kindern und Jugendlichen als auch den Lehrpersonen viel bringt und Spass macht, auch wenn die Schülerinnen und Schüler auch in Zukunft nicht ums Lernen herumkommen werden. Lehrkörper und Schulleitung sind sich aber sicher: Die Erstfelder Schülerinnen und Schüler werden bald weniger Rechtschreibfehler machen.

Markus Arnold


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