«Bärglerglick - Bärglerleid»

Autor mit «Lissmer» erzählt von verlorenem BrotWendl Hergers Traum ist perfekt: Sein Manuskript hat nicht nur einen grossen Preis eingeheimst, sondern ist nun als Buch ab sofort auch offiziell im Handel erhältlich.
04.12.2009
Das Interesse war riesengross, die Schalterhalle der Gisler Druck AG in Altdorf war am Donnerstag, 3. Dezember, gefüllt bis auf den letzten Platz. Für den Schattdorfer Wendl Herger geht mit der Buchvernissage ein Traum in Erfüllung. Druckfrisch hält er sein 175 Seiten starkes Werk «Bärglerglick - Bärglerleid» in den Händen und strahlt wie ein kleiner Junge.

Von einem kleinen Jungen schreibt auch Josef Schuler, Kulturbeauftragter des Kantons Uri, in seiner Einleitung zum Buch: «Als Wendl Herger, ein Bauernjunge aus den Bürgler Bergen, als 14-Jähriger die obligatorische Schulzeit abschliesst und kurz darauf seine erste Stelle als Bauernknecht antritt, denkt er noch nicht ans Schreiben.»

Zum ersten Mal ans Schreiben dachte der heute 75-Jährige erst nach einer Australienreise, als er das dort Erlebte zu einem Tagebuch niederschrieb. Kurz danach folgte das Manuskript «Das Leben erleben - geschrieben von einem geborenen Bergler», welches einen Preis von der Stiftung Kreatives Alter erhielt und später als Vorlage zum nun vorgestellten Buch diente. Geholfen hat ihm dabei als Lektor Kurt Zurfluh-Wipfli. Dieser hielt nun an der Vernissage auch die Laudatio.

Mit Selbstgestricktem in Zürich

In humorvoller Art erzählte Kurt Zurfluh-Wipfli, wie er Wendl Herger im letzten Jahr an die Preisverleihung der Stiftung Kreatives Alter nach Zürich begleitete. Wendl Herger habe damals einen Pullover getragen, selbst gestrickt von seiner Frau Annemarie. «Die noble Dame, die neben mir sass, hat mir zugeflüstert: Wie ist der bloss gekleidet? Ich habe ihr dann gesagt, dass sei ein Lissmer, den trägt man in den Bergen.»

Überhaupt spielen die Berge in Wendel Hergers Leben eine grosse Rolle, gehörten doch das Bergsteigen und später das Erzählen über diese Erlebnisse zu seiner grossen Passion. Im nun vorliegenden Buch berichtet Wendl Herger aber nicht nur über Bergerlebnisse.

Vielmehr ist es ein sehr persönliches Buch, wie der Laudator sagt: «Es sind seine Freuden und Sorgen, Kummer und Schmerzen und sie werden so geschildert, wie er sie erlebt und Jahre später zu Papier gebracht hat.» Für Kurt Zurfluh-Wipfli als Lektor war wichtig, dass die «einheimische Bauweise der Sätze im Manuskript» auch im Buch übernommen wurden.

Zu Gast bei Kurt Aeschbacher

Nach der verdienten Würdigung liest Wendl Herger noch kurz aus seinem Buch. Er lässt das Publikum teilhaben an der Geschichte «Äs Kilo Brot verloorä». Dabei erzählt er, wie er einmal als Junge auf dem Nachhauseweg von der Schule ein soeben gekauftes Brot verloren hatte. Natürlich durfte er nicht ohne Brot zu Hause erscheinen. Was blieb im anderes übrig, als den ganzen Weg wieder zurückzugehen, in der Hoffnung das Brot zu finden.

Das Glück meinte es nicht gut mit ihm - das Brot blieb verschollen. Keck ging er wieder in den Laden, er dachte sich, man werde ihm schon wieder ein Brot geben. Ein Brot gab es, aber auch einen zusätzlichen Eintrag ins Milchbüchlein. Das verlorene Brot wurde dann einige Zeit später von einem Schäferhund hinter einer Holzbeige gefunden.

Und wer jetzt Lust auf weitere Erlebnisse von Wendl Herger bekommen hat, kann am Donnerstag, 17. Dezember, SF 1 schauen. Dort ist der Schattdorfer zu Gast in der Sendung von Kurt Aeschbacher. Wer Wendl Herger gerne persönlich treffen möchte, hat dazu am Sonntag, 20. Dezember, Gelegenheit. Dann nämlich wird der Autor von 13.00 bis 16.00 Uhr in der Papeterie Bido sein Buch persönlich signieren.
Das Buch «Bärglerglick - Bärglerleid» ist erhältlich bei der Gisler Druck AG sowie in der Papeterie Bido und der Papeterie Huber in Altdorf.

Daniel Regli


Meistgelesen

  • 01Das Soldatenhaus soll erneuert werden
  • 02Urner kocht in Shanghai um die Wette
  • 03Grösster Batteriespeicher der Schweiz eingeweiht
  • 04Gletscher gibt Teile von Flugzeugwrack frei
  • 05Neues Denkmal für Tunnelpionier
  • 06Holzlagerplatz im Bodenwald geplant