Das Haus für Kunst Uri macht buchstäblich «Viel Lärm um alles». Bereits mit dem Titel tauchen die Besucherinnen und Besucher in die Epoche des Barocks ein. «Der Ausstellungstitel ist eine Anspielung auf William Shakespeare», wie Kuratorin Barbara Zürcher am Donnerstag, 16. Juni, vor den Medien sagte. Viel Prunk, noch mehr Gold und eine grosse Aufmachung beweist auch der Katalog zur neusten Ausstellung. «Noch nie haben wir einen so aufwendigen Katalog gestaltet», sagte Barbara Zürcher. Diese Ausstellung habe sich hervorragend dazu geeignet, auch die Begleitpublikation üppig zu gestalten.
Uri hat viel Barockes«Viel Lärm um alles» thematisiert Barockes in der zeitgenössischen Kunst. Gerade der Kanton Uri sei für eine Ausstellung zu diesem Thema ideal, ist Barbara Zürcher überzeugt. «Uri hat so viel Barock zu bieten - nur schon mit all seinen Kirchen.» «Viel Lärm um alles» ist die erste Ausstellung zu dieser Thematik in der Zentralschweiz. Für Barbara Zürcher ist daher klar: «Diese Ausstellung ist ein Muss für alle Urnerinnen und Urner.» Themenkreise der Ausstellung richten sich auf Körperlichkeit und Ekstase, Inszenierung und Starkult, Illusion und Sehnsucht sowie Wissenschaftlichkeit und künstlerischer Gestus aus - und das Ende von allem. «Dabei wollten wir sehen, was zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler aus der Thematik Barock machen», erklärt Barbara Zürcher.
Pipilotti Rist lädt zu TischWerke von 21 Kunstschaffenden aus dem In- und Ausland sind im Haus für Kunst Uri ausgestellt. Sie alle thematisieren den Barock auf unterschiedliche Art und Weise. «Einmal beziehen sich die Kunstschaffenden inhaltlich auf den Barock, dann aber auch wieder formal», sagt Bruno Z'Graggen, freier Kurator. Die bekannteste Künstlerin in der aktuellen Ausstellung ist wohl Pipilotti Rist. Das Haus für Kunst zeigt ihr weniger bekanntes Werk «Emily, I'm Gonna Write Your Name High on The Silverscreen» aus dem Jahre 1996/97. Die Installation besteht aus geschmückten Stühlen und einem gespiegelten Tisch mit drei integrierten Displays - eine Videoinstallation. Für Barbara Zürcher ein wichtiges Werk in der Ausstellung: «Weil es sehr edel ist, passt es explizit in die Thematik Barock.» Die Installation stammt aus einem Privatbesitz. «Es war sehr schwierig, das Werk für unsere Ausstellung zu leihen», sagt Barbara Zürcher. Nun steht die Installation von
Pipilotti Rist mitten im Danioth-Pavillon - umgeben von Porträts von Heinrich Danioth. «Es ist, als ob die Künstlerin Danioths Gesellschaft zu Tisch laden würde», führt Barbara Zürcher aus.
Im Ausstellungskatalog ist ein weiterer bekannter Name aufgeführt: Jean Tinguely. Von ihm ist der Film «Study for an End of the World» zu sehen. Was ihn mit dem Barock verbindet, scheint auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Barbara Zürcher erklärt: «Er schöpft aus den Vollen. Seine vordergründig lustvollen Werke thematisieren auch immer wieder Leben und Tod. Ein Thema, das die gesamte Ausstellung prägt.» Tatsächlich zeigt «Viel Lärm um alles» auch einige düstere Werke, die den Tod und das Leben thematisieren. So beispielsweise das Bild «Der Tod und das Mädchen» von Stephan Melzl. Dem Düsteren direkt gegenübergestellt ist der Überschwang, der Genuss, das Körperliche. So zeigt et-
wa Sonja Alhäuser «Das Willkommen» - eine Skulptur komplett aus Butter, ausgestellt in einer Kühlvitrine. Auch Erotik, Lust und Fiktion finden in der Ausstellung Platz. So ist zum Beispiel ausserhalb des Hauses für Kunst ein Objekt ausgestellt, das alle Blicke auf sich ziehen wird: «Milchstrasse» heisst das Werk von Isabelle Krieg, das buchstäblich haufenweise Brüste darstellt. «Wir haben bewusst überraschende Gegenüberstellungen gesucht», sagt Barbara Zürcher.
Die Ausstellung «Viel Lärm um alles» im Haus für Kunst dauert vom 18. Juni bis am 28. August. Die Vernissage findet heute Samstag, 18. Juni, um 17.00 Uhr statt. Weitere Informationen gibt es unter: www.hausfuerkunsturi.ch.Martina Regli