t wieder um Mitternacht, als alles vorbei war.«Nä, näi, mit Durscht i ds Bett das isch de gwiss nit scheen», sang Carlo Tresoldi an der Altdorfer Gesangsnacht. Das Publikum nickte und ging wohl mit ihm einig. «Das isch gwiss nit scheen», schienen sie zu denken. In welches Gesicht man auch schaute, jedes lächelte vergnügt, als Carlo Tresoldi sein «Ürnerliädli» zum Besten gab. Und als er zwei sogenannte Abfallprodukte (Gedichte, die auf dem Weg zum eigentlichen Lied entstanden sind) präsentierte, hatte er die Lacher auf seiner Seite. «...Vo hinnä und vo vorä, ja wenn ds Wasser härt isch, de gläubs miär, de isch äs totsicher gfroorä», endete eines dieser Gedichte. Carlo Tresoldi und seine Mitstreiterinnen Pia Rubi am Akkordeon und Susan Bossart als Sängerin luden anschliessend zum gemeinsamen Singen ein. Sie waren aber nur eine von vielen Attraktionen an der 1. Altdorfer Gesangsnacht.
Von digital zu analogVier Uraufführungen, darunter das angesprochene Konzert von Carlo Tresoldi, bildeten den Roten Faden durch die Gesangsnacht. Dazwischen sangen der Jazzchor PopUri, der Gospelchor Uri und die Gruppe Couleurs_16 im Dorfkern von Altdorf. Den Start machte Renaldo Battaglia vor dem Zeughaus in Altdorf. Er inszenierte mit der 5. Klasse des Kollegiums Altdorf ein digitales Lied, das in analogem Gesang endete. Vier Weihnachtslieder wurden so von den Schülern abstrahiert, verzerrt und wieder in Einklang gebracht. Die witzige Idee und äusserst schwierige Aufgabe hüllte das Unterlehn in fremde Töne und wusste zu begeistern.
Teufelsage aktuell verpacktGanz anders zeigte sich die Darbietung des ED-UR-Quartetts. ED wie Erziehungsdirektion - UR wie Uri. Die vier Sänger Noldi Furrer, Roby Fäh, Beat Spitzer und Sepp Arnold sowie Pianist Kari Arnold interpretierten «D' Saag vu dr Tyyfelsbrugg». Auf aktuelle Themen abgestimmt wurde die berühmte Sage teils musikalisch, teils theatralisch dargeboten. Mit einer Prise Sarkasmus hier, zynischen Bemerkungen dort und einer irrwitzigen Darstellung von Roby Arnold als Teufel vermochten die älteren Herren der Sage einiges an aktueller Brisanz zu entlocken.
Gänsehaut in der KlosterkircheDen Schluss des Abends machte Carlo Gamma in der Klosterkirche St. Karl. Die Profimusiker Carlo Gamma am Tenorsaxofon, Christian Hartmann am Kontrabass und Carmen Würsch, Gesang, vertonten eine Gutenachtgeschichte. Matteo Schenardi las dazu den Text «Herbert» von Urs Arnold. Der 40-jährige Herbert ist ein Melancholiker. An seinem 40. Geburtstag will er kein Fest, da es wahrscheinlich wieder peinlich würde. Er sei kein guter Gastgeber, ist er überzeugt. Warum also die Mühe machen. Dasselbe gilt bei den Frauen. Versuche enden kläglich. Am Schluss steht er mit seinen Problemen und seinen Selbstzweifeln wieder alleine da, und alles beginnt wieder von vorne. Der Text, schwermütig und zuweilen düster, lebte von der Darbietung Matteo Schenardis. Die fabelhafte musikalische Interpretation der Stimmungen des Textes durch die drei Musiker führte zu einer Gänsehaut-Atmosphäre in der kleinen Klosterkirche.
Zeit genug bis nächstes Jahr>
Von lüpfig, lustig bis melancholisch, tiefgründig wurde der Bogen an der Gesangsnacht weit gespannt. Den Zuschauerinnen und Zuschauern bot sich ein abwechslungsreicher Abend. Einzig ein Paar Sängerinnen und Sänger mehr auf den Strassen von Altdorf hätte man sich gewünscht. Vielleicht trauen sich diese aber erst nächstes Jahr raus. Zeit genug also, an der Stimme zu feilen.
Harry Tresch