Donnerstagabend, 12. Februar, im «Winkel» in Altdorf ein anregendes Podium mit einem interessanten Mix aus politischer Hoffnung und Erfahrung, Wunsch und Wirklichkeit, Alltag und Herausforderung. Fazit des Podiums: Es braucht Kämpferinnen!Sich für die Politik einzusetzen, ist zunächst ein Kampf beziehungsweise ein Ringen mit sich selbst, Zeit und Kraft aufzubringen. Für Frauen mag das in vielen Situationen besonders zutreffen. Politik ist dann aber auch das Ringen um gute Lösungen für die Allgemeinheit, die Gemeinschaft. Ein überparteiliches Komitee «Frauen mischen mit» hatte interessierte Wählerinnen und Wähler zu einer Podiumsveranstaltung nach Altdorf eingeladen.
VerantwortungDie Frauen des Wahl-Podiums in Altdorf haben den ersten Entscheid gefällt, sind in die Politik eingestiegen oder sind bereit, eine politische Verantwortung auf sich zu nehmen, sei es aus Liebe zu Land und Leuten, aus Verantwortungsgefühl dem Staat gegenüber oder aus einem politischen Grundverständnis heraus. Frauen erklärten, was sie zur Kandidatur für den Landrat bewegt. Frauen, die bereits im Landrat sind, berichteten aus dem politischen Alltag. Und drei Frauen, die aus dem Landrat zurücktreten, Berthe Fäh-Schön (CVP), Altdorf, Luzia Baumann (FDP), Altdorf, und Ruth Feubli (SP), Erstfeld, zogen Bilanz. Sie plädierten für Zivilcourage, Toleranz und eine «Kämpferinnennatur». Dazu formulierten vier junge Frauen, die mit Politik (noch) nichts am Hut haben, ihre Wünsche an die Politik. Zu Gast waren auch Frau Landammann Gabi Huber und die Regierungsratskandidatin Heidi Z'graggen. Angesprochen und befragt wurden alle von Brigitte Hürlimann, der Co-Leiterin des Regionalstudios Zentralschweiz von Radio DRS.
Freude und EnttäuschungDie ganze Breite der Politik wurde bei der Frage nach politischen Schwerpunkten der kandidierenden Frauen aufgeführt. Finanzen, Gesundheit, Tourismus, Gewerbe, Arbeitslosigkeit, Verkehr, Wirtschaftsstandort, Landwirtschaft, Kultur, Bildung, Soziales, Jugend, Familie, Alter, Randregionen ... «Man muss kämpfen und sich einsetzen», hiess es. Und man kann auch einiges bewirken, bestätigten amtierende Landrätinnen. Politik sei spannend, lehrreich, herausfordernd, interessant. Politik könne auch Freude machen wie zum Beispiel das Nein nach dem erfolgreichen Einsatz gegen den Avanti-Gegenvorschlag. Und kurze Zeit später sei die politische Stimmung wieder alles andere als erfreulich. Immer wieder war von einem respektvollen und toleranten Umgang in der Politik die Rede. Heute sei das Machtempfinden zu stark. Und damit stand natürlich die aktuelle Erfahrung im Fall der Bristenstrasse im Vordergrund. Von mangelndem Respekt und schlechter Informationspolitik war die Rede, von Vorverurteilungen und Einseitigkeit. In diesen Minuten war die Stimmung im Saal gedrückt. Frau Landammann Gabi Huber konnte die Wertung und die Massnahmen des Regierungsrates bekräftigen. Der Regierungsrat habe in dieser schwierigen Angelegenheit seine Führungsverantwortung wahrgenommen. Gabi Huber verteidigte auch die Informationspolitik des Regierungsrates. Mit den betroffenen Personen seien intensive Gespräche geführt worden. Die Mitglieder der landrätlichen Prüfungskommission seien informiert gewesen.
WünscheZum Schluss des interessanten Frauen-Wahlpodiums schauten vier Frauen in die Zukunft. Sie formulierten ihre Wünsche an die Politik, an diesem Abend an die Frauen in der Politik.
Susanne Richli: «Ich bitte alle Politikerinnen und Politiker, nicht bei der Bildung zu sparen.»
Verena Horat: «Von den Politikerinnen, aber auch von den Politikern (von morgen) wünsche ich mir, dass sie mit mehr Respekt und Toleranz untereinander umgehen (Respekt auch vor dem Volk) und dass sie ihre Versprechen, die sie machen, einhalten und ehrlich sind. Ich wünsche ihnen, dass sie das schaffen, besonders auch während und nach den Wahlen.»
Nicole Cathry: «Der Tourismus in Uri ist ein bedeutender Wirtschaftszweig. Es ist wichtig, dass der Kanton ein konkretes Leitbild erstellt. So wird ein einheitliches Auftreten garantiert. Das Image des Transitkantons kann somit beseitigt und der Tourismus gefördert werden.»
Carolin Regli: «Mein grösster Wunsch an die Regierung ist, dass die Landwirtschaft weiterhin in der Ausübung ihrer Pflichten unterstützt wird, sei es nun die Erhaltung der natürlichen Lebensräume, die Kultulandpflege oder die dezentralen Besiedlungen, damit auch unsere Kinder unseren Kanton in seiner ganzen Schönheit und Vielfalt erleben dürfen, ohne ihn in ein Freilichtmuseum verwandeln zu müssen.»
Erich Herger