EW Ursern baut imposante Windkraftanlage

Auf dem Gütsch ob Andermatt wird zurzeit die weltweit höchstgelegene Windkraftanlage der 800-kW-Klasse gebaut. Bauherrin ist das Elektrizitätswerk Ursern (EWU). Am Dienstag, 31. Juli, erfolgte der symbolische Spatenstich. Die insgesamt 2,1 Millionen Franken teure Anlage, die den Bedarf an ...
03.08.2001
ekostrom für rund 400 Haushaltungen abdecken soll, wird bereits im Oktober dieses Jahres provisorisch in Betrieb genommen.

Herbert Danioth, Verwaltungsratspräsident des EWU, sprach von einem Schritt in die Zukunft. Der Bau der Windkraftanlage sei eine Pionierleistung und vergleichbar mit der Gründung des EWU vor hundert Jahren. Mit dem Projekt solle auch ein Zeichen gesetzt werden. Genau genommen erfolgte der Spatenstich einige Wochen zu spät. Die Arbeiten am Fundament laufen nämlich seit geraumer Zeit auf Hochtouren. Herbert Danioth wies darauf hin, dass die Zeit dränge. Auf dieser Höhe - der Standort befindet sich auf 2 332 Metern über Meer - könne nur wenige Monate Zeit gebaut werden. Ende September soll die Anlage bereits stehen und noch vor dem ersten Schnee ist die provisorische Inbetriebnahme geplant.

Anlage ist wintertauglich

Markus Russi, Betriebsleiter beim EWU, orientierte die Gäste, darunter die beiden Regierungsräte Oskar Epp und Isidor Baumann, über die wichtigsten technischen Daten. Die Anlage weist eine Gesamthöhe von 65,7 Metern auf, wobei sich die Nabe beziehungsweise Drehachse inklusive Betonsockel 45 Meter über Boden befindet. Der 40 Tonnen schwere Stahlturm ist konisch konstruiert, zweiteilig und verfügt über einen innenliegenden Aufstieg. Der mit drei Blättern versehene, 15,5 Tonnen auf die Waage bringende Rotor hat einen Durchmesser von 51,5 Metern und eine Fläche von 2 082 Quadratmetern.

Speziell strich Markus Russi hervor, dass die Blätter eine Luftbeheizung beinhalten, um der Gefahr der Eisbildung zu entgegnen. Dadurch ist die Anlage trotz alpinem Klima betriebssicher. Die Drehzahl ist variabel und liegt zwischen 18 und 32 Umdrehungen pro Minute. Beim Antrieb handelt es sich um einen so genannten getriebelosen Direktantrieb. Dieses System ist zwar teurer, soll aber bedeutend weniger defektanfällig sein als ein Antrieb mit Getriebe. Die Nennleistung des 30 Tonnen schweren Synchrongenerators wird mit 800 kW angegeben (Spannung 690 V). Die Anlagensteuerung erfolgt per Microprozessor. Eingeschaltet wird die Anlage bei einer Windgeschwindigkeit von 3 m/s (10,8 km/h). Die Volllast-Windgeschwindigkeit beträgt 13 m/s (46,8 km/h) und die Abschalt-Windgeschwindigkeit 25 m/s (90,0 km/h).

Idealer Standort

Der Gütsch bot sich als geradezu idealer Standort für eine Windkraftanlage an. Er ist sehr gut bewindet, was langjährige Messungen in unmittelbarer Nähe unterlegen. Der extremste Windstoss erreichte sagenhafte 232 km/h. Um die Anlage braucht man aber trotzdem keine Bedenken zu haben, verträgt sie doch laut Angaben des Herstellers bis 270 km/h. Weitere Vorteile sind die gut ausgebaute Zufahrtsstrasse und das Vorhandensein der elektrischen Infrastruktur. Apropos Zufahrtsstrasse: sämtliche Bestandteile werden per Lastwagen transportiert. Auf Heli-Transporte wird verzichtet. Allerdings werden die Chauffeure einiges Fingerspitzengefühl an den Tag legen müssen, um die Elemente auf der kurvenreichen Strasse heil nach oben zu bringen. Ein weiterer Faktor, der laut den EWU-Verantwortlichen den Gütsch prädestiniert, ist die Vorbelastung des Standortes durch Militär und Transportanlagen mit Infrastruktur. Zudem befinde sich die Anlage nicht in einem Schutzgebiet und es werde kein bedeutendes Erholungsgebiet tangiert. Auch der Vogelzug sei nicht beeinträchtigt, wurde versichert. Die Verantwortlichen legten übrigens von Anfang an grossen Wert auf den Einbezug der Umweltschutzverbände. Ein kluger Schachzug, besteht doch die Option auf ein oder zwei weitere Windkraftanlagen. Die sich im Bau befindende erste Anlage wird trotz ansehnlicher Dimensionen auf Grund der Geländebeschaffenheit von Andermatt aus nicht zu sehen sein.

Restkosten rund 1,7 Millionen Franken

Die Anlagekosten sind mit total 2,1 Millionen Franken veranschlagt. Der happigste Posten ist die Anlage selbst mit 1,895 Millionen Franken. Als Systemlieferant zeichnet die ABB Energie Services Schweiz verantwortlich. Bei den Turbinen machte ein holländisches Unternehmen das Rennen. Das Vorhaben des EWU auf dem Gütsch wird vom Bund mit einem Investitionsbeitrag von 400`000 Franken unterstützt. Die Auszahlung dieses Betrages erfolgt in fünf Raten, wobei die erste Rate von 100`000 Franken bereits Anfang Januar eingegangen ist. Vom Kanton Uri wird das Projekt mit einem Beitrag von 5`000 Franken gefördert. Somit belaufen sich die dem EWU effektiv anfallenden Anlagekosten auf 1,695 Millionen Franken.

Der bescheidene Kantonsbeitrag ist auf die Finanzmisere und die dadurch stark begrenzten Mittel zurückzuführen. Bau- und Energiedirektor Oskar Epp jedenfalls betonte, das Projekt sei sowohl für das Urserental als auch für den Kanton Uri von grosser Bedeutung. Er sprach von einer Pioniertat und zeigte sich zuversichtlich, dass die Anlage auch national Geschichte schreiben wird.

Urs Hanhart


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