Hübscher Platz für geschützte Wohngruppe

Das Betagten- und Pflegeheim Spannort in Erstfeld hat die besondere Herausforderung im Umgang mit Demenzkranken angenommen und am vergangenen Montag, 23. Juni, den Platz für die geschützte Wohngruppe eingeweiht. Damit ist auch eine längere Phase personeller und räumlicher Veränderungen ...
24.06.2003
schlossen. Neue Präsidentin der Betriebskommission ist Ruth Feubli. Die Jahresrechnung 2002 schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 27`000 Franken.

In unseren Heimen werden heute zunehmend körperlich gesunde, aber demente, geistig zum Teil oder vollständig verwirrte Menschen betreut. In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Demenzkranken erheblich an. Wissenschaftliche Erhebungen ergaben, dass rund ein Drittel der Menschen, die über 80 Jahre alt sind, an dieser Krankheit (auch Alzheimer genannt) leiden. Auch in der Pflegeheimplanung, die von der Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektion des Kantons Uri 2002 erstellt worden ist, wird auf die wachsende Zahl von Demenzerkrankungen hingewiesen. Und Uri hat einen im schweizerischen Vergleich überdurchschnittlichen hohen Anteil von Personen, die über 65 Jahre und über 80 Jahre alt sind.

Andere Betreuung und Lebensraumgestaltung

«Im Betreuungsalltag stellen wir fest, dass nicht nur die Gedächtnisstörungen für den Verlauf der Demenz wesentlich sind, sondern vor allem auch das daraus resultierende psychische Verhalten wie zum Beispiel Aggression oder Angst. Daher stellt die Betreuung der betroffenen Kranken sowohl an die Infrastruktur als auch an die Pflegenden hohe Ansprüche. Die verwirrten alten Menschen leben nach ihren eigenen Normen und nehmen unser Wertsystem nicht mehr als gültig und brauchbar an», erklärte Sepp Haldi, der Leiter des Betagten- und Pflegeheimes Spannort in Erstfeld. So unterscheide sich die Betreuung und Lebensraumgestaltung der von dieser Krankheit betroffenen Menschen stark von der üblichen, traditionellen Pflege. «Geeignete Betreuungsformen für Menschen mit diesem Krankheitsbild bestehen noch zu wenig und entsprechen auch ausserhalb unseres Kantons einem grossen Bedürfnis.»

Das Betagten- und Pflegeheim Spannort hat diesem Bedürfnis Rechnung getragen und eine geschützte Wohngruppe gebildet. Geschützte Wohngruppen benötigen eine Infrastruktur, bei der die Raumgestaltung und die Sicherheit im Vordergrund stehen. «Weil die Kranken ein enormes Bedürfnis nach Bewegung haben, ist eine naah innen offene, nach aussen aber geschützte Gartenanlage erforderlich», sagte Sepp Haldi.

Architekt Markus Fink hat vor der Planung der Infrastruktur für Demenzkranke im Betagten- und Pflegeheim Spannort Workshops zum Thema «Alzheimer» besucht, Betroffene und Pflegende besucht und beobachtet. Mit aller Sorgfalt haben die Verantwortlichen die Raumgestaltung für die geschützte Wohngruppe verwirklicht und damit auch ideale Voraussetzungen für die geeigneten Betreuungsformen geschaffen.

Für 14 Demenzkranke

Im bestehenden Erdgeschoss des Betagten- und Pflegeheimes Spannort sind zwei nebeneinander liegende Zimmer als Stube und Esszimmer umgebaut worden. Mit dem Einbau einer Küche und eines Stationszimmers konnten weitere betriebliche Bedürfnisse abgedeckt werden. Gang, Deckenbeleuchtung, Farbgebung und Nischen wurden den neuen Anforderungen angepasst. Die verbliebenen acht Zimmer können je nach Bedarf als Ein- oder Zweibettzimmer eingerichtet werden. In der geschützten Wohngruppe des Betagten- und Pflegeheimes Spannort können maximal 14 Menschen wohnen. Für die Gestaltung der Gartenanlage wurden Aufschüttungen - zum Beispiel für Rampen - vorgenommen. Es sind auch die notwendigen Spazierwege in Form von so genannten Endlosschlaufen vorhanden. Dazu gehören Sitzplätze im Park. Die Gartenanlage wird in den nächsten Tagen fertig erstellt.

Die Umbaukosten werden sich auf rund 540`000 Franken belaufen. An den anrechenbaren Teil der Kosten leistet der Kanton einen Beitrag von anteilmässig 54 Prozent. Die Gemeinde Erstfeld hat für die Gartenanlage rund 1`000 Quadratmeter Land der Liegenschaft Stegmatt gegen eine einmalige Entschädigung von 280`000 Franken zur Nutzung abgetreten.

Einweihungsfeier

Am 1. Mai wurden die neuen Räume der geschützten Wohngruppe für Demenzkranke bezogen. Am vergangenen Montag, 23. Juni, weihten Pfarrer Alois Stadler und Pfarrer Ulrich Schmalz die Räume ein. Dieser Einweihungsfeier nahmen Regierungsrat Markus Stadler und Gemeindepräsident Paul Jans teil. «Es ist für die Betroffenen und für die Angehörigen wichtig, dass in Uri selbst spezielle Betreuungs- und Pflegeangebote für Demenzkranke entstehen, jetzt im Spannort', im Herbst an der Dätwylerstrasse in Altdorf, 2004 eventuell in Bürglen und etwas später möglicherweise auch in Schattdorf», sagte Regierungsrat Markus Stadler. «Demenz ist eine Realität, eine zunehmende Krankheitserscheinung. So ist es verantwortungsbewusst, sich dieser Realität zu stellen. Ich danke den Verantwortlichen für ihren Blick in die Zukunft und ihre Tatkraft.»

Neue Pflege- und Betreuungsorganisation

Mit der Aufnahme der Arbeit in der geschützten Wohngruppe ist eine längere Phase von räumlichen Veränderungen im Betagten- und Pflegeheim Spannort abgeschlossen worden. Beendet ist auch der Neuaufbau der Pflege- und Betreuungsorganisation. Vorher waren die 70 Bewohnerinnen und Bewohner des Heimes sowie das Pflegepersonal von einer zentralen Station aus betreut beziehungsweie geführt worden. Nun sind es drei selbstständige Gruppen, die je rund 800 Stellenprozente (15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) umfassen.

Die Jahresrechnung 2002 des Betagten- und Pflegeheimes Spannort schliesst bei einem Aufwand von 3,8 Millionen mit einem Ertragsüberschuss von 27`000 Franken. Der Personalaufwand stieg um 225`000 Franken (8 Prozent), was auch auf die Umstrukturierung zurückzuführen ist. Dafür fielen die Erträge aus den Pflegeheimtaxen massiv höher (9,5 Prozent) aus. Der Voranschlag 2003 rechnet mit einem Aufwandüberschuss von 34`000 Franken. Dieses Ergebnis steht im Zusammenhang mit den Investtionen und personellen Aufwendungen für den Aufbau einer geschützten Wohngruppe für Menschen mit einer demenziellen Erkrankung.





Erich Herger


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