Ideenwettbewerb soll dem Kloter neues Leben einhauchen

Seit 2004 steht das Frauenkloster St. Karl in Altdorf leer. Das soll sich nun ändern. Die Stiftung Frauenkloster St. Karl lanciert eine öffentliche Ausschreibung für eine neue Nutzung des Areals. Im Vordergrund steht eine klösterliche oder religiöse Nutzung, allenfalls ist die Stiftung aber ...
18.08.2006
auch offen für einen profanen Gebrauch.

Während fast 400 Jahren blühte mitten im Dorfkern von Altdorf das klösterliche Leben. Das Frauenkloster St. Karl überlebte zwei Dorfbrände und die Franzosenzeit, doch den seit einigen Jahren andauernden klösterlichen Nachwuchsproblemen und der damit verbundenen Überalterung der Schwestern scheint es machtlos gegenüberzustehen. Vor gut zwei Jahren verliessen die letzten Kapuzinerinnen das Altdorfer Kloster. Seither steht es leer, einzelne Räume wie der Meditationsraum oder die Schulräume werden noch vermietet.

Mehr als zehn Ideen geprüft

Das Kloster steht an einem äusserst attraktiven Ort, verfügt über rund 20 grosszügige Zimmer, Küche, Refektorium, grössere und kleinere Säle, Nebengebäude, eine Doppelkirche und einen grossen Garten. Sämtliche Gebäude sind denkmalgeschützt. Das Kloster mit 1,3 Hektaren Land innerhalb und 1,8 Hektaren Land ausserhalb der Klostermauern gehört der kirchlichen Stiftung St. Karl. Diese hatte in den vergangenen zwei Jahren vergeblich versucht, neue klösterliche Nutzungsmöglichkeiten zu finden. Wie Bruder Raphael Grolimund, Präsident der Stiftung, an der Medienkonferenz vom 17. August erläuterte, seien mehr als zehn Nutzungsvorschläge in 33 Stiftungsratssitzungen behandelt worden (siehe Kasten). Doch keiner von diesen wurde weiterverfolgt. Entweder standen sie im Widerspruch zum Stiftungszweck, scheiterten an der Finanzierung oder wurden sonst zurückgezogen.

20'000 Franken für die besten Ideen

«Bisher haben wir nur reagiert, jetzt wollen wir agieren», äussert sich Raphael Grolimund zur öffentlichen Ausschreibung «Neue Ideen für ein altes Kloster». Mit Irene Denzler fand auch ein PR-Profi Aufnahme in den Stiftungsrat. Ehrgeiziges Ziel ist es, noch in diesem Jahr zu entscheiden, welches Konzept zur Neunutzung das Rennen gemacht hat. Am 1. September werden die Unterlagen zum Ideenwettbewerb an die Teilnehmenden verschickt, am 16. September ist ein Rundgang durch die Klostergebäude geplant, Abgabetermin für die Arbeiten ist am 2. November. Anschliessend wird juriert und das Ergebnis bekannt gegeben. In einer zweiten Stufe folgt 2007 die Detailausarbeitung des Nutzungskonzeptes. Für den Ankauf der besten Konzeptideen stehen 20'000 Franken zur Verfügung. Ausserdem ist die Stiftung allenfalls bereit, die Startphase einer Neukonzipierung finanziell zu unterstützen.

Auch profane Nutzung möglich

Für den Stiftungsrat ist klar, dass eine rein klösterliche Nutzung des Areals wohl Wunschdenken bleiben wird, insbesondere da auch andere leer stehende Klöster mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Deshalb wurde beschlossen, die Möglichkeiten der künftigen Nutzung auf eine religiöse oder gar profane, jedoch ethisch ausgerichtete Nutzung zu erweitern. Dass somit das Feld nach wie vor recht eingeschränkt ist, sind sich die Stiftungsräte bewusst. Doch wenn immer möglich möchte man dem kulturellen Erbe Rechnung tragen und die Tradition weiterentwickeln. Sollte sich keine befriedigende Lösung abzeichnen, werde man über eine weitere Öffnung des künftigen Betriebes diskutieren müssen. Doch der Stiftungsratspräsident ist zuversichtlich, dass durch die national gestreute Ausschreibung viele Ideen eingehen werden.
Irene Denzler glaubt auch, dass das Kloster stark in der Urner Bevölkerung verankert ist und dass es den Urnerinnen und Urnern nicht egal ist, was mit ihrem Kloster künftig geschieht. Sie hofft deshalb auch auf viele kreative Ideen aus der Urner Bevölkerung. Solche, die machbar und auch finanzierbar sind.
Informationen zum Kloster St. Karl und zur Ausschreibung des Ideenwettbewerbes sind im Internet unter www.kloster-altdorf.ch erhältlich.

Markus Arnold


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