Interimistische Leitung gewählt

Mitten in Altdorf, im markanten Zeughaus unmittelbar neben dem Theater(uri), wird künftig das schweizerische Haus der Volksmusik beheimatet sein. Mit Daniel Fueter, dem Rektor der Hochschule für Musik und Theater Zürich, steht der Trägerschaft eine ausgewiesene Persönlichkeit vor. Er wurde ...
20.06.2006
am Samstag, 17. Juni, an die Spitze des privatrechtlichen Vereins gewählt. Geleitet wird das Haus interimistisch durch Franz-Xaver Nager und Fabian Müller.

Mit dem Rektor der Hochschule für Musik und Theater Zürich, Daniel Fueter, steht der Trägerschaft des Hauses der Volksmusik ein renommierter Präsident vor. Im Vorstand wirken Altnationalrat Franz Steinegger, ferner der aus Altdorf stammende und an der Universität Bamberg lehrende Ethnomusikologe Max Peter Baumann, UKB-Direktor Peter Zgraggen, Alois Koch, Rektor der Musikhochschule Luzern, Silvia Delorenzi, Musikethnologin und Präsidentin der Gesellschaft für Volksmusik in der Schweiz, die Musiker Ueli Mooser und Markus Flückiger sowie der Altdorfer Gemeinderat und Primarlehrer Roland Humair mit. Als Rechnungsrevisoren wurden die beiden Altdorfer Josef Rubischung und Markus Christen gewählt.

Breit gefächerte Eigenaktivitäten

Das Haus der Volksmusik widmet sich der Erforschung, Dokumentation und Entwicklung der Schweizer Volksmusik als eigenständiger Bestandteil eines gemeinsamen europäischen Kulturerbes. Als nationales Kompetenzzentrum unterstützt und fördert es mit seiner kontinuierlichen Arbeit die Lebendigkeit der Schweizer Volksmusik in all ihren regionalen und stilistischen Ausprägungen. Zu diesem Zweck entfaltet es breit gefächerte Eigenaktivitäten, geht langfristig angelegte Kooperationen mit zielverwandten Institutionen und Organisationen ein und pflegt den offenen Austausch mit ähnlichen Musikformen im alpinen Raum und weiteren Ausland. Bislang fehlte ein nationales Haus, das die Schweizer Volksmusik als Ganzes erforscht und fördert. Diese Lücke wird nun geschlossen. Andere europäische Länder unterhalten längst ähnliche Institutionen.

Interimistische Leitung und Pilotphase bis 2009

Der Altdorfer Musikwissenschafter Franz-Xaver Nager wird das Haus der Volksmusik ab September zusammen mit dem Zürcher Komponisten und Musikethnologen Fabian Müller interimistisch leiten, wobei der Vollbetrieb ab Januar 2007 aufgenommen werden soll. Fabian Müller war einer der treibenden Kräfte für ein Haus der Volksmusik in Altdorf gewesen.
Für die Pilotphase, die bis Ende 2009 dauern soll, wird mit Kosten von 765'000 Franken gerechnet. Der Jahresaufwand ist mit zirka 200'000 Franken veranschlagt. Bisher ist rund eine halbe Million Franken zusammen. Der Kanton Uri und die Gemeinde Altdorf sowie verschiedene Stiftungen (Dätwyler, Otto Gamma, Landys & Gyr, Migros Genossenschaftsbund) haben bereits Beiträge zugesichert. Zudem haben weitere Stiftungen eine finanzielle Unterstützung des Projekts in Aussicht gestellt. Noch ausstehend ist die Zusicherung von Bundesseite.

Spannender Multiplikationseffekt

Daniel Fueter gab sich an der unmittelbar an die Gründungsversammlung abgehaltenen Medienkonferenz überzeugt, dass die Beschäftigung mit der Volksmusik heutzutage ein ganz besonderes Anliegen sein müsse. Es bestehe nämlich die Gefahr, dass Elemente verloren gingen, wenn nicht dazu Sorge getragen werde. «Ich bin glücklich, dass es gelungen ist, Bildung und Kultur modellhaft zusammenzunehmen», freute sich der Präsident. Durch das Kursangebot auf der einen Seite und die Verbindung mit den Volksmusikverbänden und damit den Praktikerinnen und Praktikern anderseits werde das Haus der Volksmusik zu einem spannenden Multiplikationseffekt führen. Im Vorstand spüre man viel Lust, sich für das neue Haus einzusetzen. «Heute ist ein ganz grosser Tag für die Musik», so Daniel Fueter.
Regierungsrat Markus Züst verwies auf die Kulturoffensive, die in den vergangenen zehn Jahren in Uri im Allgemeinen und speziell in Altdorf lanciert worden ist. Diese habe nicht nur kulturelle, sondern auch wirtschaftliche und touristische Impulse ausgelöst und die Standortpromotion für den Gotthardkanton verbessert. «Das Haus der Volksmusik passt nun haargenau in diese Reihe. Die grosse Abstützung der Volksmusik in Uri, die zentrale Lage im Alpenraum, die Einbindung in das Musikfestival Alpentöne und die wichtige Verbindung zur Musikhochschule Luzern sind eine ausgezeichnete Ausgangslage für das neue Kompetenzzentrum», sagte Markus Züst.
«Für die Gemeinde Altdorf und die Altdorfer Bevölkerung stellt der heutige Gründungstag ein Höhepunkt dar und ist zugleich Beweis dafür, dass es sich lohnt, Risiken einzugehen», meinte Gemeindepräsident Heini Sommer. Die Erfolgsgeschichte von Alpentöne zeige, dass nur gewinnen könne, wer etwas wage. Altdorf und Uri hätten mit dem Musikfestival viel gewonnen und würden nun mit dem Haus der Volksmusik reichlich entschädigt.

Urs Hanhart


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