Kurt Betschart - mit «Riesenmühle» zum zweiten Sieg

Der Bürgler Bahncrack Kurt Betschart vom Team Möbel Märki-Colnago schrieb sich am Auffahrtstag, 9. Mai, zum zweiten Mal nach 1996 in die Siegerliste des traditionsreichen Bergrennens Silenen-Amsteg-Bristen ein. Im Rennen der Biker sorgten Ivan Planzer und Kurt Gisler - beide vom Team ...
11.05.2002
-Pouletburg - für einen viel beklatschten Urner Doppelsieg. Bei den Bikerinnen musste Lokalmatadorin Sonja Traxel wie schon im Vorjahr der starken Schwyzerin Anita Steiner den Vortritt lassen. Ueli Kieliger, ein Fahrer des für die Organisation zuständigen VMC Silenen, sicherte sich im Radrennen der Junioren den guten 3. Platz.

Der strahlende Sieger Kurt Betschart schilderte den Rennverlauf nach geschlagener «Schlacht» wie folgt: «Wegen des starken Föhns war der Streckenteil bis Amsteg extrem mühsam, ja sogar kriminell. Einmal wurde gebolzt und kurz später liessen alle wieder die Beine hängen. Ich suchte mir eine gute Position, um nicht führen zu müssen und Kräfte zu sparen, was mir auch gelang. Zu Beginn der Steigung sorgte dann ein Fahrer des Scott-Team für ein regelmässiges Tempo. Ich fand schnell einen guten Rhythmus. Vor der letzten Kehre lancierte ich meine erste Attacke, kam aber nicht weg. Dann, 800 Meter vor dem Ziel, legte ein Fahrer neben mir einen kleineren Gang ein, worüber ich mich einigermassen wunderte. Ich sagte mir, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um hochzuschalten und Vollgas zu geben. Diese Taktik erwies sich als goldrichtig. Keiner vermochte zu folgen. Allerdings musste ich in der steilsten Rampe enorm auf die Zähne beissen, um die Riesenmühle durchzudrücken.»

Kurt Betschafts erstes Rennen der Saison

Kurt Betschart, der mit seinen 1,83 Meter Körpergrösse und einem Körpergewicht von 71 Kilogramm nicht gerade als Bergziege gilt, wuchtete einen «Ball» von 39x14 Zähnen durch die dichten Zuschauerspaliere, was pro Pedalumdrehung einem Raumgewinn von 5,79 Metern entspricht. Ein mittelmässiger Hobbyfahrer bekundet in der Regel selbst auf der Ebene einige Mühe, eine solche Uebersetzung in Schwung zu halten. Den seit 2001 von David Ruckstuhl gehaltenen Streckenrekord verfehlte der Sechstagecrack um beinahe 2 Minuten, wobei schon vor dem Rennen klar war, dass aufgrund des Gegenwindes keine schnellen Zeiten drinliegen würden. Seinen Formstand schätzte der symphatische Bürgler eher etwas schwächer ein als bei seinem 2. Platz im Vorjahr. «Auffahrt war heuer extrem früh, weswegen ich noch nicht so viele Kilometer in den Beinen hatte wie sonst. Zudem fuhr ich heute mein erstes Rennen und wusste deshalb nicht recht, wo ich stehe.» In den nächsten Wochen wird Kurt Betschart einige Kriterien bestreiten, vor allem in Deutschland. Im Bahnkader figuriert der 34-Jährige übrigens nicht mehr - Begründung: zu alt!

Topleistung von Sascha Gisler

Beinahe wäre mit Sascha Gisler, Team Stäckli, noch ein zweiter Urner aufs Podest gefahren. Der Bikespezialist aus Erstfeld klassierte sich bei seinem Abstecher zu den «Gümmelern» im hervorragenden 5. Rang, nur 8 Sekunden hinter dem zweitplatzierten GS-Jura-Swiss-Akteur Florian Ludi und 7 Sekunden hinter David Senn, Team Mita-Medic, der den 3. Platz belegte. Sascha Gisler zeigte einigen prominenten Fahrern das Hinterrad, so unter anderem Roger Devittori (6.), kürzlich Dritter beim Radrennen in Schattdorf, und Pierre Ackermann (7.), im vergangenen Jahr noch Mitglied des Post-Swiss-Teams und jetzt in Diensten der GS Jura Swiss. Auch Pascal Crattin, der dem Urner im Vorjahr im Bikerennen vor der Sonne gestanden hatte, zog diesmal als Zwölfter klar den Kürzeren. Beachtlich hielt sich auch Stefan Marent. Der Seedorfer schaffte es als 23. immerhin ins erste Ranglistendrittel.

Starker Finish von Ueli Kieliger

Im Rennen der Junioren lag Ueli Kieliger, VMC Silenen, 300 Meter vor dem Ziel noch relativ deutlich abgeschlagen an 4. Stelle. Mit einem Gewaltseffort sondergleichen kämpfte sich der Lokalmatador auf den letzten Metern aber noch an Fabian Züsli, RMV Cham, vorbei und wurde dafür mit dem 3. Platz belohnt. Vereinskollege Bernhard Furger schaffte als Siebter ebenfalls den Sprung in die Topten. Bei den Open-Fahrern war der Gossauer Daniel Reinhard eine Klasse für sich. Markus Gisler, VMC Schattdorf, schwang in der Kategorie Open C obenaus.

Urner Biker sahnten ab

Im Rennen der Biker, welches wegen der Erdrutsche der vergangenen Woche auf derselben Strecke ausgetragen werden musste wie dasjenige der Radfahrer, hatten ganz klar die Akteure des Teams Gisler-Pouletburg das Sagen. Ivan Planzer, der sich eingangs des letzten Kilometers aus einer Viererspitze verabschiedete, siegte mit komfortablen 27 Sekunden Vorsprung auf seinen Mannschaftskollegen Kurt Gisler. Der U23-Akteur Ivan Planzer, der zurzeit auf einer regelrechten Erfolgswelle reitet, hat sich den Sprung in die Nationalmannschaft zum Ziel gesetzt. Er möchte sich mit weiteren Topleistungen für das EM- und WM-Team aufdrängen. Beinahe hätte es für das Urner Vorzeige-Biketeam sogar einen Dreifachtriumph abgesetzt. Nur beinahe deshalb, weil René Wüthrich, Subigen, Teamneuling Flurin Riedi den 3. Platz buchstäblich vor der Nase wegschnappte.

Sonja Traxel musste Gegnerin ziehen lassen

Bei den Damen lag Publikumsliebling Sonja Traxel vom Swisspower MTB-Team zunächst alleine in Front. Die entscheidende Phase erlebte sie so: «In der ersten Kehre schloss Anita Steiner zu mir auf. Ich nahm sogleich ihr Hinterrad und versuchte dranzubleiben. Nach der zweiten Kehre stellte es mich dann aber auf und ich musste sie ziehen lassen.» Anita Steiner, die der ehemaligen Junioren-Weltmeisterin bis zum Ziel noch 20 Sekunden abknöpfte, feierte nach 2001 bereits ihren zweiten Sieg in Bristen. Sehr gut hielt sich auch Nadia Walker, Team Gisler-Pouletburg, als Dritte mit lediglich 13 Sekunden Rückstand auf Sonja Traxel. Das Feld der Senioren wurde überlegen vom Schattdorfer Markus Gisler gemeistert. Bei den Jugendlichen setzte sich Florian Hofstetter, VMC Bürglen, knapp vor Roman Zgraggen, Altdorf, und Reto Bricker, VMC Bürglen, durch.
Den Fans wurde in Bristen einmal mehr Radsport vom Feinsten geboten. Es bleibt zu hoffen, dass den Organisatoren auch im nächsten Jahr bei der 50. Auflage das gleiche Wetterglück beschieden sein wird. Von den angesagten Regenwolken war - dem «ältesten Urner» sei dank - nämlich weit und breit nichts zu sehen.



Urs Hanhart


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