Silenen empfing seinen Ehrenbürger

Aus Anlass seines 90. Geburtstages, den der Maler und Schriftsteller Ludwig Lussmann am kommenden Montag, 18. Juni, feiern kann, bereitete Silenen seinem Ehrenbürger einen würdigen Empfang. 1986 wurde Ludwig Lussmann von seiner Heimatgemeinde zum Ehrenbürger ernannt. Der Jubilar seinerseits ...
15.06.2001
beschenkte den Gemeinderat mit einem prächtigen Gemälde.

Ludwig Lussmann (Mitte) beschenkte den Gemeinderat Silenen mit einem prächtigen Gemälde (Foto: Urs Hanhart).


Am 12. Juni wurde Ludwig Lussmann, der Ehrenbürger von Silenen, aus Anlass seines 90. Geburtstages auf dem Gemeindehausplatz in Silenen vom Gesamtgemeinderat begrüsst und willkommen geheissen. Die Musikgesellschaft Silenen umrahmte den Empfang mit einer musikalischen Darbietung, was den Jubilar besonders freute. Gemeindepräsident Rolf Infanger überbrachte die Gratulations- und Glückwünsche von Volk und Behörden von Silenen. Mit einem Apéro und anschliessendem Nachtessen für die geladenen Gäste wurde der Anlass abgerundet.

Leben und Werk

Ludwig Lussmann wurde am 18. Juni 1911 als Bauernsohn in Silenen geboren und ist in einem altehrwürdigen Arzthaus, in der Aschart, aufgewachsen. Das Stammgeschlecht der «von Silenen» reicht zurück bis in die Gründungszeit der Eidgenossenschaft; jenes der Lussmann von der Aschart ist erstmals 1440 im Pfarreibuch erwähnt. Ein bedeutender Zweig der Familie Lussmann hatte seinen Wohnsitz in der «Aschart». Das Haus stand damals etwas abseits vom alten Gotthardpassweg, am vorderen Kirchweg, an einem Feldweg, der zum Gut «im Hof» in die alte Kirchgasse führte und weiter nach Obersilenen, dem heutigen Dörfli. Die Aschart ist der eigentliche Wohnsitz der Arztfamilien Lussmann.

Viele berühmte Namen wären zu nennen, so unter anderem der Erbauer des Hauses Aschart, Johannes Lussmann, der 1589 als Landvogt von Uri in Livinen nachgewiesen ist. Johannes war Landesfähnrich und Gesandter in Baden und Brunnen sowie Mitglied des Kriegsrates. Er stiftete Jahrzeiten und bedeutende Beiträge an den damaligen alten Glockenturm der Pfarrkirche Silenen, für Gemälde am Turm sowie auch Vergabungen an die Heilig-Kreuzkapelle am alten Saumweg in Amsteg.

Öffentlichkeitsarbeit

Nebst den kulturgeschichtlichen und landeskundlichen Studien wie den bekanntgewordenen «Dörflifahrten», Dorfgeschichten im Feuilletonstil, oder den schriftstellerischen Werken, wie das Gemeindebuch Silenen/Amsteg/Bristen, das er seiner Heimatgemeinde im Jubiläumsjahr 1991 schrieb, bekleidete Ludwig Lussmann verschiedene öffentliche Ämter. So war er von 1964 bis 1976 engagierter Landrat von Altdorf. Nicht vergessen darf man seine immensen Bemühungen um den Natur- und Landschaftsschutz. 1960 wurde er in die kantonale Kommission für Natur-, Heimatschutz und Denkmalpflege (NHSK) berufen, die er von 1964 bis 1988 als Präsident leitete. In seine Amtszeit fallen nicht nur der Erlass einer neuen Natur- und Heimatschutzverordnung (1963), die Erarbeitung verschiedener planerischer Unterlagen wie der Landschaftsschutzplan oder das Verzeichnis der schützenswerten Objekte, sondern vor allem eine grosse Zahl Restaurationen von Baudenkmälern wie Kirchen und Kapellen, Bürger- und Bauernhäusern und schliesslich übernahm Ludwig Lussmann 1968 auch die Leitung der Kommission für Inventarisation der urnerischen Kunstdenkmäler (Kiku), mit der verdienstvollen Inventarisatorin, Dr. Helmi Gasser.

Ludwig Lussmanns Dienste wurden auch von regionalen Instanzen beansprucht, so insbesondere von der Interkantonalen Kommission zum Schutz des Vierwaldstättersees, die er von 1972 bis 1983 präsidierte. Und ganz bestimmt nicht vergessen dürfen wir sein grosses Engagement als Mitbegründer des wunderbaren Mineralienmuseums in Seedorf. Als «Strahler» konnte er dort sein ganzes Fachwissen einbringen.

Der Maler und Schriftsteller

Anlässlich seines 75. Geburtstages wurde Ludwig Lussmann am 12. Dezember 1986 in Anerkennung seines Schaffens als Maler und Schriftsteller von seiner Heimatgemeinde Silenen zum Ehrenbürger ernannt. Am 27. November 1991 wurde dem bereits 80-Jährigen vom Regierungsrat des Kantons Uri im Jubiläumsjahr der Schweizerischen Eidgenossenschaft als Dank und Anerkennung für seine vorbildlichen Leistungen zum Schutze, zur Erhaltung und zur Bereicherung der Urner Heimat der Ehrenpreis verliehen. Wahrlich ein Seher und Künder der Heimat.

In Ludwig Lussmanns Werken nimmt die Malerei einen bedeutenden Platz ein, sie zeigt sich auch in einem eigenen Stilgepräge, sei es in der Darstellung der Landschaft in unserer Bergwelt, wie auch in den Porträts oder Stilleben. Daher lag oft auch die Bühnengestaltung in seinen Händen, wie auch die Technik der bewährten Bühnenbildprojektionen. Schliesslich führte er oft zu seinen Bühnenwerken auch mit spontanem Vorstellungsvermögen die Regie. Es sei die Kraft des Wassers, ja der Seele schlechthin: «Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser», das sagte Goethe nicht von ungefähr. Ein Seher und Künder ist Ludwig Lussmann. Ein Bekenner, ein Bewahrer auch unserer Kultur und Heimat. Unschwer lässt sich damit dieser Meister des Naturalismus in Bild und Wort einreihen bei Inglin, Renner und Heinrich Danioth und anderen bedeutenden Männern und Frauen unseres Kantons, deren Verdienste auch gesamtschweizerisch ausser Frage stehen.

Dramaturgische Bühnenwerke

Von den von Ludwig Lussmann verfassten dramaturgischen Bühnenwerken seien besonders erwähnt: Madrano (1955); die Teufelsbrücke (1957); der Säumer vom Gotthard (1959); Morione, das Strahlerdrama (1964); dr Letscht vo dr Claridenalp (1968); Dr Bärgarzt (1978); Ds Greis vo Suränä (1979); der Fürst von Valeria (1981) und der Schulmeister im Bergdorf (1993). Zu erwähnen wären auch noch die zahlreichen kulturgeschichtlichen Beiträge oder die umfangreichen Festspiele sowie die Erzählungen und Hörspiele, so zum Beispiel «D`Ysärosä» von 1966. - 1986 erschien der wunderbare Bildband «Ludwig Lussmann - Seher und Künder der Heimat». Im September erscheint der Band II zum vorerwähnten Buch, und im Tellspielhaus wird eine grosse Ausstellung gestaltet. Der Jubilar Ludwig Lussmann darf auf ein immenses Werk zurückblicken. Er ist und war ein unentwegter Künder und Mahner einer Heimat, die zu erhalten zeitlebens sein grösstes Anliegen war und seine grösste Treue forderte.

Die Heimatgemeinde Silenen ist stolz auf seinen Ehrenbürger Ludwig Lussmann und gratuliert ihm ganz herzlich zum 90. Geburtstag. Für die Zukunft wird ihm beste Gesundheit und Wohlergehen gewünscht, verbunden mit dem besten Dank für sein gesamtes Wirken und Schaffen als Künstler, Maler und Schriftsteller.

Josef Zurfluh


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