«Vor allem unser Teamgeist hat uns geholfen»

Die fünf Gigathlon-Frauen haben eine Woche lang Kälte, Nässe, Verletzungen und unglaublichen mentalen Herausforderungen getrotzt. Zwei Tage nach den Strapazen berichten sie über ihre Erlebnisse.
17.07.2007

Müde, aber glücklich sitzen die fünf Frauen des Urner Frauenpower-Gigathlonteams zu Hause bei Astrid und Reto Caveng auf der Terrasse. Es ist Montagabend. Noch vor zwei Tagen mühten sich die Sportlerinnen in Bern auf den letzten Etappen des diesjährigen Gigathlons ab. Nun schauen Astrid Caveng, Nadia Walker, Eveline Hauser, Slivia Schweizer, Sarah Kempf und ihr Teamsupporter Reto Caveng zurück, auf eine verrückte Zeit mit vielen Hürden, unglaublichen sportlichen und mentalen Herausforderungen, aber auch viel Spass, Galgenhumor und einen unglaublichen Teamgeist. «Das hat uns vor allem geholfen, der Teamgeist», sagt Astrid Caveng, Rad- und Bikefahrerin. «Ohne unseren hervorragenden Zusammenhalt wäre es viel schwieriger geworden.» Sieben Tage lang wurden von den Frauen Höchstleistungen gefordert. Täglich haben sie stundenlang dem schlechten Wetter getrotzt, gekämpft und sich verausgabt. «Es ist gut, haben wir das vorerst hinter uns», sind sie sich einig.

Organisatorisch schwierig

Die Herausforderungen des Gigathlons bestanden nicht nur in der sportlichen Tätigkeit der Athletinnen und Athleten. Dies bestätigt auch das Urner Frauenpower-Gigathlonteam. So sei der Anlass rein logistisch und organisatorisch schwierig zu bewältigen. Aber auch der ständige Stress, immer zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein, habe an der Substanz genagt. «Nach einem harten Wettkampf war noch lange nicht Feierabend», erklärt Reto Caveng. Nach Einlauf in die Wechselzone mussten sich die Sportlerinnen so schnell wie möglich wieder orientieren wie sie zurück zum Teambus und damit in die nächste Wechselzone gelangen konnten. Dies erfolgte mit Shuttlebussen oder per Zug. Zudem mussten sie ihre eigenen Sachen und die des Partners zusammenpacken.

Stress in Ausnahmesitutation

Auch am Ende des Wettkampftages war noch lange nicht Schluss. Fahrräder mussten gereinigt und auf den nächsten Tag vorbereitet werden, die Strecken des nächsten Tages genau abgeklärt und die nassen und dreckigen Sachen gewaschen werden. Zur Ruhe kamen die Frauen eigentlich nur im Teambus. «Das ist kein Luxus», schildern sie. Dennoch, der Teambus war für sie wie eine Insel, ein Ort, an dem man von all dem Trubel fernblieb. Dort hatte man Zeit zu Spassen. Der grosse Organisator und Logistiker war Reto Caveng, der von «seinen» fünf Frauen liebevoll als wichtigstes Teammitglied genannt wird. «Ohne seine Erfahrung hätte das nicht so hervorragend geklappt», sagt Nadia Walker, Rad- und Bikefahrerin. «Ihm ist es auch zu verdanken, dass wir nie Streit untereinander hatten». In einer Ausnahmesituation wie dieser keine Seltenheit. Sie hätten viele Teams beobachtet, die schlechter organisiert gewesen waren und dadurch Stress hatten im Team. Das ist wohl auch der Grund, warum sich Nadia Walker für ihr Team mit einer Verletzung am Knie noch vier Stunden ins Ziel gequält hat. Hätte sie aufgegeben, wären die Urner Frauen aus der Wertung geflogen.

Sonnencreme in den Augen

Spass hatten die fünf Frauen nebst all den Strapazen dennoch. Vor allem der Galgenhumor sei oft hilfreich gewesen. So habe ein Velofahrer im strömenden Regen auf dem Oberalppass zu Nadia Walker gesagt: «Stell dir vor, es würde die Sonne scheinen. Dann hätten wir vom Schweiss die ganze Sonnencreme in den Augen. Das wäre dann scheisse!» Auch im Teambus hätten sie viel gelacht und sich aufgemuntert.

Auch fragwürdig

Auf die Frage, ob sie beim nächsten Gigathlon wieder dabei sein werden, studieren sie lange. Es sei wohl noch zu früh, diese Frage zu beantworten, meint Läuferin Silvia Schweizer.
Zuerst müsse alles verarbeitet werden. «In einem gewissen Sinne ist dieser Anlass auch fragwürdig», sagt Nadia Walker. «Diese Schinderei ist einfach unglaublich. Ich habe Leute gesehen, die konnten nicht mehr vorwärts laufen, weil ihre Oberschenkel so kaputt waren.» Die Urner Frauen haben es mehrheitlich gut überstanden. «Das gute am Menschen ist doch, dass er die negativen Dinge ausblendet», meint Reto Caveng abschliessend.
Vielleicht genügt die Zeit bis zum nächsten Gigathlon und das Urner Frauenpower-Team ist wieder mit von der Partie.

Harry Tresch


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