Der technische Unterhalt und die Überwachung des Gotthard-Strassentunnels sind finanziell sehr aufwendig. Heute gibt es an beiden Tunnelportalen in Göschenen und Airolo je eine Einsatzzentrale. Alle 14 Tage wechselt die Leitung des Tunnelunterhaltes von der Urner zur Tessiner Seite und umgekehrt. «Für die Führung des Tunnels braucht es somit eigentlich nur eine Zentrale», erläutert Antonello Laveglia, Mediensprecher des Bundesamtes für Strassen (Astra), gegenüber dem «Urner Wochenblatt». Das Astra plant deshalb eine Reorganisation. Die Kontroll- und Unterhaltsarbeiten sollen optimiert werden.
Nur noch in GöschenenBereits im Verlaufe dieses Sommers soll die Unterhalts- und Überwachungszentrale in Airolo geschlossen werden. In einem Ereignisfall könnte diese jedoch wieder besetzt werden. Keine Änderungen gebe es indes bei den Polizei- und Sicherheitsaufgaben. Deshalb trete mit der Reorganisation auch kein Sicherheitsverlust sondern dank der klareren Führungsstrukturen ein -Gewinn ein, betont Antonello Laveglia. Das polizeiliche Hoheitsgebiet bleibe unangetastet, und auch die beiden Schadenwehren in Göschenen und in Airolo blieben erhalten. Trotzdem gehen laut dem Astra-Sprecher in Airolo zwei bis vier Arbeitsplätze verloren. Sämtliche Funktionen der Zentrale Airolo, welche der Bewirtschaftung der Gotthard-Südrampen durch die Polizei und die Gebietseinheit des Kantons Tessin dienten, wurden im 2009 nach Camorino gezügelt.
Im Tessin hat man an der Konzentration der Zentrale in Göschenen natürlich keine Freude. Die «Tessiner Zeitung» berichtete am 28. Mai, Bundesbern verhandle «in aller Stille» mit den Gotthardkantonen, was den Lega-Kantons- und -Nationalratsparlamentarier Norman Gobbi veranlasst habe, der Tessiner Kantonsregierung und dem Bundesrat eine Anfrage zu schicken.
Keine Freude im TessinAuch das offizielle Tessin ist mit dem Vorhaben nicht einverstanden. Das Astra habe diesbezüglich eine Stellungnahme aus dem Südkanton erhalten, weiss Antonello Laveglia. Als Kompensation sieht das Bundesamt für Strassen deshalb vor, dass das geplante Thermoportal - dieses misst die Temperatur der Lastwagenmotoren und erkennt überhitzte Fahrzeuge - statt wie ursprünglich vorgesehen in Göschenen nun in Airolo zu stehen kommt. Damit würden wieder einige Arbeitsplätze geschaffen. Zudem hätten die Mitarbeitenden, die es künftig in der Einsatzzentrale in Airolo nicht mehr brauche, die Möglichkeit, sich für vakante Stellen in Göschenen zu bewerben.
Später Verlegung nach FlüelenDie Zusammenlegung der Zentralen in Airolo und Göschenen ist ein erster Schritt. Die Zentralisierungspläne aus Bern gehen noch weiter. Die Astra-Strategie sieht vor, dass in Zukunft der ganze Technikdienst von Göschenen nach Flüelen verlegt wird. Für den Kanton Uri sei die Stärkung des Standortes Göschenen eine positive Nachricht, sagt Regierungsrat Josef Dittli gegenüber dem «Urner Wochenblatt». Die Idee des Astra, die Zentrale mittelfristig nach Flüelen zu verlegen, sei ihm bekannt. «Wir haben diese Absicht zur Kenntnis genommen. Eine politische Diskussion darüber ist aber noch nicht geführt worden.»
Markus Arnold