Zum Tod von Karl Iten

«Am 7. März ist er in Konstanz von seinem Gott und Schöpfer in die Ewigkeit abberufen worden», heisst es schlicht in der Todesanzeige. Karl Iten war Grafiker und Künstler, Buchautor und Poet, ein Kulturfreund und unermüdlicher Kulturarbeiter in seiner Wahlheimat, dem Kanton Uri. Gekrönt ...
09.03.2001
wurde sein kulturelles Schaffen mit der Verleihung des Innerschwiezer Kulturpreises für das Jahr 1989. Uri hat durch ihn viel gewonnen und ihm viel zu verdanken.

Es war die Liebe zum Kulturellen, die Liebe zum kreativen Wirken eines Lebensraumes, die Lieben zum Kanton Uri und seinen Menschen auf eine unermüdliche und grenzenlose Art. Er zeigte das in seinen Büchern, in seinen Bildern, in seinen Gedanken, in seinen Ausstellungsprojekten, in seinem Engagement für den Kunst- und Kulturverein Uri, für das Historische Museum Uri, in seinen Vernissagereden und in seinen zahlreichen Zeitungsartikeln über die Kunst, Kultur und Geschichte des Kantons Uri. Viele Beiträge erschienen erst in der «Gotthard-Post», später dann im «Urner Wochenblatt».

Karl Iten

Karl Iten, geboren 1931, ist in Baar (Kanton Zug) aufgewachsen. Er besuchte die Kunstgewerbeschule Zürich und wurde Grafiker. Seit 1953 lebte er zunächst als Grafiker, dann als Schriftsteller und Kunstschaffender in Altdorf. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und Schriften über Uri, unter anderem «Uri - Land am Gotthard», «Rings um ds Ürner Chuchigänterli», «Uri damals» und «Adieu - Altes Uri». Sein Werk umfasst aber auch Malerei, Zeichnungen, Holz- und Linolschnitte, Fotografie und Grafik.

Karl Iten war Mitglied des Innerschweizer Schriftstellervereins. Er hat Lyrik, Erzählungen, Essays und volkskundliche Studien veröffentlicht. Für den Kunst- und Kulturverein Uri hat Karl Iten zahlreiche Ausstellungen projektiert und realisiert, die in der ganzen Schweiz Beachtung gefunden haben. Als Ausstellungsmacher hat er die verschiedensten Aspekte urnerischer Kunst und Kultur aufgegriffen. Mehrere Innerschweizer Museen wurden durch ihn konzipiert und gestaltet.

Als eigentlicher äusserer Auftakt des kulturellen Schaffens von Karl Iten gilt das 1965 erschienene Buch «Uri - Land am Gotthard». Sein Hauptwerk war 1992 das vom Verlag Gisler Druck in Altdorf in Auftrag gegebene Werke «Uri - Die Kunst- und Kulturlandschaft am Weg zum Gotthard», ein faszinierendes Schau- und Lesebuch. Dieses Buch war für Karl Iten, wie er sagte, die «Summe meiner Beschäftigung mit Uri im Lauf von rund 40 Jahren». Immer wieder hatte in Brissago die erwünschte Umgebung aufgesucht, um seine Arbeit und Kraft ungestört vom Alltäglichen zu verwirklichen. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in Konstanz.

Karl Iten hat im Kanton Uri ganz entscheidend dazu beigetragen, dass das eigene Kulturbewusstsein und Kulturverständnis gewachsen ist. Sein Wirken strahlt über die Kantonsgrenzen hinaus in die ganze Schweiz.

Innerschweizer Kulturpreisträger

Der verdiente Lohn für sein unermüdliches und grosses Schaffen ist Karl Iten der Innerschweizer Kulturpreis 1989 verliehen worden. «Er hat den Kanton Uri genau analysiert, nicht lauthals, nicht aggressiv, nicht anklagend, aber tiefschürfend», betonte Hansruedi Stadler, heute Ständerat, 1990 an der Preisverleihung als Regierungsrat des Kantons Uri.

Was Karl Iten im Besonderen auszeichne, sei, sagte Laudator Beat Stutzer, Direktor des Bündner Kunstmuseums in Chur, «dass er sich einer Aufgabe nicht lieblos und minimalistisch entledigt, sondern weit über das Geforderte hinaus aus ureigenstem Wollen, aus innerster Beteiligung und aus insistierendem Engagement heraus den Dingen auf den Grund rückt». Man könne mit einer Auflistung aller Arbeiten von Karl Iten lange fortfahren, erklärte er, aber man würde den Menschen Karl Iten beinahe vergessen, «ich meine seine katalysatorische Wirkung als Animator, als Ideenlieferant, als künstlerisches Gewissen, als Gesprächspartner». Beat Stitzer: «Mit fast obsessiv zu nennendem Engagement im Dienst der Sache spürte und spürte Karl Iten den vielfältigen kulturellen Phänomenen nach ... So ist es Karl Itens Einsatz zuzuschreiben, dass wir heute über die eigene, vergangene und gegenwärtige Kultur und ihre vielfältigen Erscheinungsformen mehr wissen und diese vertieft erleben dürfen, dass wir ganz allgemein sensibilisiert wurden für bedeutende und unscheinbare kulturelle Momente ...»

Als ich ihn einst in einem Interview für das «Urner Wochenblatt» fragte, was er denn mehr sei, Künstler oder Kunstförderer, sagte er: «Ich war früher selber künstlerisch tätig, nun hat sich das Richtung Kunstvermittlung verlagert. Ich habe eines Tages gemerkt, dass andere besser malen. Vielleicht liegt mir Kunstvermittlung besser.»

Heimat Uri

Als Karl Iten 1953 nach Uri kam, dachte er, dass er es in diesem Raum nicht lange aushalten werde. Mit dem Buch «Uri - Land am Gotthard», das er für die Dätwyler AG (DAG) machen durfte, hat er eine persönliche Beziehung zum Lebensraum Uri geschaffen. «Ich bekam den Lebensraum gern. Und so war ich plötzlich aus Überzeugung da. So hat sich etwas in mir gewandelt. Lange Zeit war Zug meine Heimat, und so ging ich jeweils von Uri heim nach Zug. Eines Tages war das anders, ich weiss nichtweshalb. Plötzlich ging ich von Zug heim nach Uri. Das Heimatgefühl wächst dort, wo man sich mit dem Lebensraum identifiziert.» Karl Iten war aus Überzeugung in Uri. Uri verliert einen lieben Freund und Mitmenschen Doch seine Liebe zum Urnerischen bleibt uns. Vielen Dank, Kari.



Erich Herger


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